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Masterthesis „Auditive Grenzen – Klang als Medium der Raumproduktion“

Im dritten Semester meines Masters “Raumstrategien” bin ich bei der Beobachtung klanglicher Phänomene im öffentlichen Raum auf klangliche Grenzüberschreitungen aufmerksam geworden. Besonders stark ins Auge gefallen ist mir die klangliche Ausdehnung der Geschäfte in der Holstenstraße, einer Fußgängerzone in Kiel. Die Bespielung des inneren Verkaufsraumes dringt durch die Schiebetüren nach außen in den öffentlichen Raum in Form der Fußgängerzone. Die Beobachtung der Situation führte zu zwei Fragestellungen. Für den Stadtbewohner und Konsumenten ist die klangliche Bespielung des Vorplatzes eines Geschäfts eine Normalität im Alltag und wird nicht in Frage gestellt. Warum wird dieser Umgang mit der klanglichen Gestaltung des öffentlichen Raumes akzeptiert? Ist der Passant indifferent und nimmt seine klangliche Umgebung nur selektiv wahr? Zum Anderen nutzt der kommerzielle Raum über seine klangliche Ausdehnung mehr Raum (in Quadratmetern) als ihm zusteht. Warum zahlen Inhaber solcher Räume nicht mehr Miete?

Letzteres bringt die Thematik der Grenze ins Spiel. Klangliche und bauliche Grenzen verlaufen in der beschriebenen Situation unterschiedlich. In meiner Arbeit möchte ich komplexe Klangsituationen und Mikroprozesse im Stadtraum untersuchen und ihre Relevanz erörtern. Dabei geht es in meinen Beobachtungen um auditive Grenzen. Der Fokus liegt auf Inkongruenzen der Wahrnehmung der visuellen und auditive Raumbegrenzungen. In welchen Situationen stimmt die akustische Raumwahrnehmung nicht mit der Optischen überein? Elementarer und struktureller Bestandteil der Arbeit ist die grafische Beschreibung der klanglichen Phänomene, um sie dadurch anders interpretieren zu können.

Der Auffassung, Klang als eine Art Aufspürwerkzeug für politische und soziale Strukturen im öffentlichen und privatem Raum zu verstehen, möchte ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit nachgehen und schließlich in meinen beobachteten Klangtypologien in Bezug zur Grenze nachspüren. Parallel möchte ich der eingangs erwähnten Frage nach dem Umgang mit der klanglichen Gestaltung unsere Umwelt, als auch der Art der Wahrnehmung unserer klanglichen Umwelt nachgehen.

Die Arbeit stellt eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Planung von Klang in gestalterischen Disziplinen dar.
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